Sind traditionell kolorierte Comics besser?



Comics in Aquarell und Tusche – Sind traditionell gemalte Comics und Manga besser als digital gemalte Comics?
Heutzutage hat sich die digitale Koloration bei den meisten Comiczeichnern und Verlage durchgesetzt, da diese viele und leichte Verbesserungsmöglichkeiten anbietet und so ein schnelleres Arbeiten fördert. Das Anmalen von Comics im traditionellen Sinn mit echten Farben ist im frankobelgischen Raum noch stark vertreten, doch wird auch von Jahr zu Jahr weniger.

Comics in Aquarell und Tusche – Sind traditionell gemalte Comics und Manga besser als digital gemalte Comics? Comiczeichner weltweit diskutieren.

Ich bin ein großer Fan von traditioneller Koloration, denn ein Original in echten Farben macht schon einen großen Unterschied zu digitalen Werken. Manche sagen, ein Bild in echten Farben wirkt lebendiger und “echter”, digitale Bilder fehlt irgendwie die Seele. Auch verlangt ein Bild in echten Farben viel mehr Feingefühl und Konzentration, denn hat man einen Fehler gemacht, muss man oft von vorne anfangen. Ebenso ist das Erlernen der verschiedenen Werkzeuge und Wirkung von Farbstoffen bei der traditionellen Kunst viel aufwendiger als das Erlernen von Photoshop und Co. – Darüber streiten sich seit Jahren die Künstler und Comiczeichner auf der ganzen Welt.

Wer die traditionelle und digitale Koloration beherrscht hat natürlich einen großen Vorteil. Persönlich muss ich zugeben, das Malen mit echten Farben auf Papier und das Inken mit echter Tusche ist schon ein feines Gefühl. Ich fühle mich dabei lebendiger und schöpfe daraus mehr positive Kraft. Wenn ich am Rechner koloriere, fühle ich mich am Ende eher ausgelaugt. Über dieses Phänomen berichten viele Künstler, wobei andere genau die gegenteilige Erfahrung machen.

Digitale Koloration hat natürlich auch seine einigen Vorteile. Man kann etwas Geld sparen, da man keine Farben, Papier und Stifte kaufen muss und jeder Zeichner weiß wie teuer das Arbeitsmaterial ist. Die Korrektur bei digitalen Arbeiten ist ungeschlagen. Mit einigen Klicks kann man Arbeitschritte zurückgehen, oder ganze Bereiche ändern. Das ermöglicht einen Künstler viel mehr Freiraum zum experimentieren und testen. Wer in teures technisches Equipment investiert, kann sich große Vorteile schaffen. Ein Rechner mit hoher Leistung, ein gutes Graphic Tablett und ein anständiges Programm kostet aber schon sein Geld. Wer sich fürs digitale Kolorieren entscheidet muss anfangen Geld zu sparen und ist abhängig von Strom.

Auf jeden Fall sollte sich ein Comiczeichner oder Künstler sich mit Comics beschäftigen, die traditionell koloriert sind. Besonders Originale sollten begutachtet werden. Wenn ihr die Möglichkeit habt Originale zu sehen, dann nehmt die Chance wahr.

In der Welt der Manga sind traditionell kolorierte Manga-Seiten ein Highlight und oft gibt es in vielen Manga 2 bis 5 kolorierte Seiten zu bewundern. Die Meister greifen da oft zu farbiger Tusche oder Aquarell. Wer auf Nummer sicher gehen will und schnell arbeiten will, benutzt Marker wie z.B. Copic Marker.

Heute stelle ich euch meine TOP 5 Comics in Aquarell und Tusche vor.

  • ELEKTRA ASSASSIN von Bill Sienkiewicz (Artwork) und Frank Miller (Story). Mitte der 80er brachte der Ausnahme Künstler Bill Sienkiewicz die Farbe und Abstraktion in die Welt der amerikanischen Comics. Damit setzte er neue Maßstäbe und für mich ein Highlight der Comicwelt. Im Comic ELEKTRA ASSASSIN kann man großartige Bilder und Paneling erleben. Leseprobe gibt es hier. Auch sehr zu empfehlen: STRAY TOASTERS

Comics in Aquarell

  • ELENDE HELDEN von BARU. Der Künstler BARU began erst mit 30 Jahren das Comic zeichnen zu erlernen und wurde in wenigen Jahren zu den ganz Großen der Comicwelt. Seine Kolorationen sind sehr lebendig und illustrativ gehalten.
  • DESCENDER von Dustin Nguyen. Das Sci Comic ist für ein WILL EISNER Award nominiert. Das Artwork des jungen Künstlers kann überzeugen und zeigt was heute möglich ist. Sehr lesenswert. Hierzulande bei SPLITTER erschienen.
  • BLACKSAD von Juanjo Guarnido und Juan Diaz Canales ist ein Highlight der Comicwelt. Die Comicfabelkrimiserie überzeugt nicht nur durch die Bilder und Charaktere. Wer auf klassische Krimis mit Katzen und Hunden steht, der findet hier Lesestoff für gemütliche Abende.
  • ALFRED JODOCUS KWAK von Harald Siepermann und Hans Bacher. Nicht nur in Hollywood ist Hans Bacher eine Legende. Seine Bilder, Storyboards, Mood Boards und Kompositionen sind nicht von dieser Welt. Kaum jemand kann mit Farben Stimmungen so perfekt wiedergeben. Ich empfehle seine zwei Bücher SKETCHBOOK Composition Studies for Film  und DREAM WORLDS.

Natürlich gibt es noch viele großartige Künstler (Bilal, Marini, Van Fleet, Juan Gimenez, Serpieri etc.), die entdeckt werden wollen. Besonders Juan Gimenez ist mir ans Herz gewachsen.

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